Adventskalender Tag 12

Adventskalender Tag 12

Wow schon Halbzeiten. In nicht mal mehr zwei Wochen ist Heiligabend. Ich hoffe, dass ihr bisher zufrieden seid. Hinter dem 12ten Türchen verbirgt sich die Autorin Marina C. Hermann.

Liebe Marina,

da ich dein Buch nicht kenne, habe ich mir
den Klappentext durchgelesen. Dabei ist mir aufgefallen, dass du dich dazu
entschieden hast, dein Buch aus der Sicht eines Mannes zu schreiben. Wie kamst
du auf die Idee und ist es dir schwergefallen, dich in die Gefühlswelt eines
Mannes einzufühlen?
Das Buch ist abwechselnd aus den Sichten der
Protagonisten Luisa und Markus geschrieben, damit man (fast) alle Situationen
aus beiden Sichten sieht. Geplant war es eigentlich erst nicht, aus der Sicht
eines Mannes zu schreiben. Die Grundidee und die ersten Notizen hatte ich
fertig und dann kam die Frage auf, wie man das Ganze umsetzen könnte, da dies
auch mein erstes richtiges Buch war und da schien mir für den Geschichtsverlauf
logisch, auch aus Markus Sicht zu schreiben, um auch zu sehen, wie er sich
fühlt und was er in bestimmten Situationen denkt. Es ist mir eigentlich recht
leichtgefallen, aus Markus Sicht zu schreiben, da er derjenige ist, der viel
einfühlsamer und ruhiger ist, wie man es mehr von einer Frau erwarten würde.
Luisa war für mich wesentlich schwieriger, da sie sehr distanziert und
abweisend sein kann und ihre Gedanken viel komplexer sind.

Also sind deine Protagonisten sehr
unterschiedlich. Inwieweit sind denn die Gedanken von Luisa komplexer und wie
kamst du auf die Idee der Geschichte?
Genau, diese Unterschiede erkennt man zum
Beispiel auch daran, dass Markus durch und durch ein Familienmensch ist,
während Luisa seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern hat. Luisa träumt
gerne und stellt sich oft irgendwelche Situationen vor. Im Laufe der Geschichte
stellt sich heraus, dass sie diese Gedanken jedoch nicht beeinflussen kann, da
sie ein Glioblastom (einen Hirntumor) hat, wodurch sie natürlich stark belastet
wird und noch mehr über sich, ihr Leben und ihr ungeborenes Kind nachdenkt. Man
muss wissen, dass ich meine Inspiration immer in der Musik finde (jeder Film
hat einen Soundtrack, warum also nicht auch Bücher?). Ich habe damals zufällig
ein Video mit den größten Hits der letzten 20 Jahre gefunden und dort war ein
Lied, das mir nicht bekannt war: Airplanes von B.o.B. und Hayley Williams. Die
Message hat mich unglaublich berührt und mir kam auf einmal die Idee für Luisa.
Oh ja. Ich liebe das Lied. Da steckt so viel
Gefühl drinnen. Hörst du denn beim Schreiben Musik? Und wenn ja welche?
Beim Schreiben höre ich wirklich immer Musik,
einfach weil sie mich wie gesagt inspiriert. Ich spiele dann immer eine selbst
zusammen gestellte Playlist mit Liedern, die ich mag. Da ist dann von allem was
dabei. Hin und wieder fliegen einige Lieder dann raus und neue kommen dafür
hinzu, egal ob Rock, Pop oder Ballade.
Hast du bereits neue Projekte geplant und
kannst uns einen kleinen Einblick geben?
Ich werde natürlich die “Geschichten vom
Ponyhof Sonnental” weiterführen, wobei ich die Reihe selbst nur ‘nebenbei’
schreibe und mich mehr auf die größeren Romane konzentriere. Im Moment arbeite
ich wieder an einem Roman, diesmal jedoch ohne eine direkte Liebesgeschichte.
Worum es genau geht, verrate ich jedoch noch nicht. Das ist immer so mein
kleines Geheimnis, nicht einmal meine Familie weiß worum es geht, bis ich es
gut genug finde. Dann darf meine Mutter das Manuskript erst lesen. Ich möchte
einfach nur meine Gedanken verfassen und nicht von anderen beeinflusst werden,
da sonst viele dann schon anfangen würden zu kritisieren oder unbedingt ihre
Ideen mit einbringen möchten.
Das klingt sehr geheimnisvoll. Wie entwickeln
dich denn die Ideen zu deinem Buch?
Eigentlich ist das immer gleich. Ich habe
eine grobe Idee, woraus ich den Titel entwickle und schreibe dann die
Geschichte. Es gibt natürlich immer einen Haufen Notizen mit dem
Handlungsverlauf, welchen ich nach und nach abarbeite. Dabei kommt es oft dazu,
dass sich einige Ideen umändern, gestrichen werden oder erst im Laufe der
Geschichte dazu kommen. Und natürlich ist es immer die Musik, die mir die Ideen
bringt.
Vielen Dank, dass du dir die Zeit für meine
Fragen genommen hast. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg

Und zum Schluss noch Zitate aus ihrem Buch:
»Der Schmerz geht nie
weg… man gewöhnt sich nur daran. Aber so spielt eben das Leben, wie du schon
sagtest. Niemand kann vorhersagen, ob es sich positiv oder negativ entwickelt,
jeder muss es einfach nehmen, wie es ist, und das macht einem manchmal Angst.«
Ich sah wieder aus dem Fenster. Mittlerweile hörten wir leichten Donner, dicke
Regentropfen liefen an der Scheibe hinunter und bildeten ein vernetztes Muster.
Auf
Nimmerwiedersehen, schrecklich schöne Welt. Ein Schnitt, ein Stechen, ein
Schmerz, ein Schrei. Mir floss das Blut über den Arm, es ließ mich das letzte
Mal Wärme spüren, während mein Körper schon die Kälte spürte. Abstützen,
hinfallen, Ende.
»Mit wem redest du?«
Markus stand verschlafen im Türrahmen und rieb sich die Augen. »Mit diesem
unglaublich heruntergekommenen Menschen«, antwortete ich scharf. »Sieh mich
doch nur an. Ich rede mit meinem Spiegelbild, ich nerve mich jetzt schon
selber. Wie kann ein Mensch sich selbst nur so fertigmachen? Ich halte das
nicht mehr aus. Markus, mach, dass es endlich aufhört!«

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