Adventskalender Tag 14

Adventskalender Tag 14

Heute verbirgt sich Rikki Lamur hinter dem Türchen. Sie hat für euch eine kleine Geschichte geschrieben. 🙂

Die Sterne im Himmel

Ein sanftes
Glitzern lag über der unberührten Landschaft, ein Hauch Magie. Ein Stück
Unwirklichkeit. Beinahe schwerelos glitten die Flocken vom grauen Himmel über
dem Wald, als hätten sie genau diesen Weg gewählt, um diesen Ort zu verändern. Stille
herrschte überall. Plötzlich hörte man ein leises Knirschen im Baumreich – erst
sporadisch, doch dann hielten sie an – die zaghaften Schritte eines Kindes, das
durch den glänzenden Schnee ging. Mutig schritt es weiter und hinterließ dabei eine
feine Spur im Schnee hinter sich, die schon bald wieder zugeschneit sein würde,
vor allen Augen verborgen und doch hatte sie existiert.

Plötzlich
blieb das Mädchen stehen. Ihr Herz schlug ruhig in
ihrer Brust. Das Kind spürte, dass sie an diesem Ort richtig war. Sie hob den Kopf,
strich sich seine langen braunen Haare aus dem Gesicht und blinzelte, um ihre
Wimpern von den eisigen Kristallen zu befreien.
Die grünen Augen der
Kleinen musterten die Umgebung, dann entdeckten sie etwas Außergewöhnliches, es
schien das junge Geschöpf förmlich anzuziehen. Interessiert trat das Kind, ohne
Eile ein paar Schritte voran. Ein heller Schein breitete sich im Schnee aus, nicht
weit von ihm entfernt, während sie sich diesem zielstrebig näherte.
Langsam ging das Kind in die
Knie und legte ihre Hand um die atemberaubende Pflanze. Neue Kraft durchströmte durch ihre Adern.
Erleichtert atmete das Mädchen auf. Aus dem Augenwinkel sah die Kleine
plötzlich ein geflügeltes Pferd, dass sich elegant auf sie zubewegte. Schnell
erhob sie sich und blickte dem stolzen Tier entgegen. Es war von stolzer
Erscheinung. Das Mädchen spürte deutlich eine seltsame Verbindung zwischen
ihnen.
Dicht vor ihr
blieb das Ross stehen. Seine Flügel falteten sich beinahe lautlos an seine
weißen Flanken. Er kam ihr vor, wie ein Bote. Seine klugen Augen musterten das
Mädchen, die Blume in ihren Händen.
„Wie hast du
mich gefunden?“, fragte das geflügelte Pferd mit samtweicher Stimme. Ein
leichter Luftzug fuhr durch seine Mähne und ließ die Haare aufwirbeln.
„Ich habe an
dich geglaubt. Ich wusste, dass du existierst.“
Das Ross trat
einen Schritt näher und senkte den Kopf. Das Mädchen hob seine (ihre?) Hand, um
die Stirn des Tieres zu berühren. „Ich muss dir etwas
zeigen, steig auf. Ich kann dir helfen“, meinte das Pferd und das Kind folgte
seiner Aufforderung. Schnell griff es in die Mähne des anmutigen Wesens und zog
sich auf seinen Rücken. Es brauchte keine Aufforderung. „Wie ist dein
Name?“, fragte das Kind.  „Renas.“
Mit
diesen Worten erhob sich das Tier in die Lüfte. Es schien von einem sanften
Wind getragen zu werden. Sanft, aber kraftvoll schlugen die langen, fedrigen
Schwingen in gleichmäßigem Rhythmus und hinterließen einen Strom glitzernder
Funken. Das Kind hielt noch immer in der Hand die Blume, während sie sich mit
der anderen an der Mähne festklammerte.
Immer
höher stieg das Wesen, durchbrach die Wolkendecke und erreichte die weite Ebene
des Horizontes. Eine kurze Zeit lang schwebten sie beinahe schwerelos in der
Galaxie. Einem Raum, der grenzenlos schien. Mit kräftigen Flügelschlägen
glitten sie weiter, erreichten die Sterne. Es waren Unzählige. Fasziniert sah
sich die Kleine um, während das Pferd zwischen eine Vielzahl an Himmelskörpern weiterflog.
Sie erreichten ein strahlendes Gestirn. Eines, das größer war als die anderen,
heller schien und eine starke Anziehungskraft auf das Kind ausübte. Das Geschöpf
schien das zu spüren, denn es flog dicht an den Stern heran, bis es sich direkt
darüber befand. Aber die Beiden nahmen keinen Schaden und so verharrte das
Wesen. Das Kind streckte zur gleichen Zeit die Hand mit der goldenen Blume aus und
öffnete langsam die Finger. Sanft fiel die Pflanze durch die Luft, traf auf den
Asteroiden auf und verwandelte sich in eine Spur aus feinem Glitzerstaub. Alles
in wenigen Sekunden.
Das Mädchen verspürte eine plötzliche, erneute Wärme. Einen Augenblick
schloss das Kind die Augen. Etwas geschah mit ihr. Erneut durströmte ihren
Körper Energie. Eine wohltuende, wogen ähnliche Welle, die ihr die Richtung
wies. Ein kleiner Wegweiser, der sie von dem Stern fortführte. Das geflügelte
Wesen schien das zu spüren. Hoffnungsvoll schloss das Kind die Augen und stärkte
ihr Vertrauen.
Das Pferd wurde langsamer, die Flügelschläge setzten aus. Sie glitten
durch die Luft, bis es sich entschloss auf einer schneebedeckten Wiese zu
landen. Das Mädchen öffnete ihre Augen.  Vor
sich sah die Kleine ein Haus und erkannte das dunkle Holz der Balken und den nahestehenden
Baum. Es war eine Lichtung. In ihr drängte ein Gefühl. Rasch glitt das junge Wesen
vom Rücken des geflügelten Tieres und eilte auf das Haus zu, so schnell ihre
Füße sie tragen konnten. Noch bevor sie dieses erreichte, schwang die Tür im
gleichen Augenblick auf und eine Frau trat heraus. Alarmiert erblickte sie das Kind
und traute ihren Augen nicht.
„Mama!“ Es war ein lang ersehnter Ruf.
Das Mädchen stürmte auf die Fremde zu. Die Frau rannte ebenfalls los und
so lagen sich die beiden kurz darauf in den Armen. Tränen rannen über ihre Gesichter.
Erleichterung und Freude verbreiten sich.  „Du bist zurückgekehrt!“, murmelte die Mutter und strich ihrer Tochter
liebevoll übers Haar. Als die Kleine ihren Kopf umwandte, sah sie, wie das
Pferd seine Flügel ausbreitete und sich in die Lüfte erhob. 
Renas würde zu
seiner Familie zurückkehren. Ein Geschenk, welches das Pferd auch dem Mädchen
hatte machen können.

Renas würde zu
seiner Familie zurückkehren. Ein Geschenk, welches das Pferd auch dem Mädchen
hatte machen können.




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.