Adventskalender Tag 24, der zweite

Hallo ihr Lieben 🙂
Heute wird es zwei BeitrĂ€ge geben. Schließlich ist es Weihnachten. Als erstes stellt sich euch der Autor Ragnar Guba vor, der euch eins seiner Gedichte und eine seiner Kurzgeschichten vorstellen möchte. đŸ™‚

Der Autor

‱ geb. am 23.10.1972 in Arnstadt/ ThĂŒringen und lebt noch immer in der NĂ€he
‱ verheiratet, 2 Kinder
‱ singt in einem Kirchenchor
‱ schreibt Gedichte seit 1986 (bisher ĂŒber 200)
‱ schreibt MĂ€rchen und Weihnachtskurzgeschichten seit MĂ€rz 2014
‱ bisherige Veröffentlichungen:
– Weihnachtsgedichte und –kurzgeschichten im „ArnstĂ€dter WeihnachtsbĂŒchlein“ 2014 und 2015
– MĂ€rchen „Prinzessin Ohnekrone“ in der MĂ€rchenanthologie „Joshuas MĂ€rchenreich“ (2016)
‱ bietet Lesungen verschiedenster Art an, z.b. MĂ€rchenlesungen in Kitas, Grundschulen, Altersheimen, zu Kindergeburtstagen, auf WeihnachtsmĂ€rkten; oder eine Mischung „Gedichte-Kurzgeschichten-MĂ€rchen“ in der Vorweihnachtszeit; Wohnzimmerlesungen
‱ unterstĂŒtzt mit einem Teil seines Honorars das Kinderhospiz Mitteldeutschland




Weihnachtsgedanken 2012 – Ragnar Guba
Und in den Stuben ist Advent.
Nicht, wie man es von frĂŒher kennt,
denn der Kommerz ist eingezogen.
Man wird um sein wenig Geld betrogen.
Kaum ist der Sommer hier vorbei,
steht in den LĂ€den Weihnachtsleckerei.
Schon im Herbst fĂŒllt man sich ab
mit dem, was es sonst viel spÀter gab.
PlÀtzchen, Kekse, Weihnachtsstollen-
alles, was nicht nur Kinder wollen.
Und der Schokoladenweihnachtsmann
steht im Regal ganz vorne an.
Großes Spielzeug tut sich auftĂŒrmen.
Menschen in GeschĂ€fte stĂŒrmen.
Barbie, Playmobil und Co.
machen des Gestressten Herzen froh.
Ein neuer Computer soll es sein,
von Apple: viel drin und trotzdem klein.
Oder ein Handy, natĂŒrlich ein iPhone.
Hat doch fast die ganze Menschheit schon.
Uhren, Schmuck und neue Kleider,
Kaffeemaschinen und so weiter.
Die Liste wird wohl endlos sein.
Nur große WĂŒnsche, keiner klein.
Doch Halt und Schluß mit dieser Gier.
Seid ihr sicher, das wollen wir?
Kehret alle in euch ein:
Soll das der Geist der Weihnacht sein?
Sind es nicht eher die Kinderaugen,
die leuchtend an das Christkind glauben,
wenn strahlend schmĂŒcken Lichter den Baum?
FĂŒr Kinder ist das wie ein Traum!
An die Liebe sollt ihr euch besinnen.
Haltet sie fest, tief im Herzen drinnen.
Und ein großes Gut ist die Gesundheit.
Denkt an sie, nicht nur zur Weihnachtszeit!
Und in die Herzen kehret ein:
weihnachtliche Ruh‘.
Bleibt gesund und liebt einander
und hört einander zu!

Der MondschÀfer
Es war einmal und war auch nicht in einem Dorf nicht weit von hier. Da lebte ein MĂ€dchen, welches ein Waisenkind war, bei einem Bauernpaar und wurde dort schlecht behandelt.  Ihr wurden nur die schwersten Aufgaben aufgetragen und musste in einem Lager aus Stroh bei den Schweinen schlafen. Wann immer sie konnte, ging sie in die WĂ€lder und durch die Felder. Dort schien alles Leid weit entfernt von ihr.
Eines Nachts schlich sie sich heimlich aus dem Haus und ging auf eine große Wiese, die weiter entfernt von ihrem Dorf lag. Das Licht des Mondes begleitete sie auf ihrem Weg. Es war eine warme Sommernacht und in der Ferne hörte man nur den Ruf einer Eule. An der Wiese angekommen, legte sie sich in das weiche Gras und sah in die Sterne. Sie erfreute sich am Funkeln der unendlichen Lichter und ab und zu konnte sie eine Sternschnuppe sehen. In dieser Nacht hörte sie plötzlich noch andere GerĂ€usche. Es waren Schafe, die in der Ferne blökten. Das MĂ€dchen wunderte sich und ging den GerĂ€uschen nach. Am Ende der Wiese erkannte sie im Mondschein eine Schafherde und deren SchĂ€fer. Es war ein junger krĂ€ftiger Mann mit blond gelockten langen Haaren. Sie hatte ihn noch nie gesehen. Vielleicht war es ein Wanderhirte, der hier Halt machte.
Da sie neugierig war, ging sie auf die Herde und den SchÀfer zu. Die Tiere bemerkten das MÀdchen und blökten sie an. Der junge SchÀfer wirkte erschrocken, als er das MÀdchen sah.
„Wie heißt du?“, fragte sie.
„Ich bin ein MondschĂ€fer, man nennt mich Lunus.“
„Ich habe dich noch nie in unserer Gegen gesehen. Woher kommst du und wohin ziehst du mit deinen Schafen?“
„Schon immer bin ich in dieser Gegend zu hause. Ich ziehe nicht umher“, antwortete er und deutete ihr, sich mit ihm ins Gras zu setzen.
„Nie zuvor habe ich dich gesehen“, sagte das MĂ€dchen erstaunt.
„Nur, wenn der Mond mit seinem Licht die Erde beleuchtet, sind meine Schafe und ich sichtbar. TagsĂŒber oder wenn in der Nacht die Wolken am Himmel stehen, bleibe ich verborgen. Vor langer Zeit wurde ich von einer bösen Hexe mit diesem Fluch belegt“, antwortet Lunus.
Das MĂ€dchen war traurig darĂŒber, denn sie mochte den SchĂ€fer gut leiden. Also fragte sie ihn, wann sie ihn wiedersehen darf. Und Lunus sagte:
„In jeder Nacht mit Mondlicht wirst du mich hier auf dieser Wiese finden. Ich freue mich, wenn du mich besuchen kommst.“
So verabschiedeten sich beide voneinander und das MĂ€dchen kehrte von nun an in jeder Mondlichtnacht zurĂŒck auf die große Wiese und traf sich heimlich mit dem SchĂ€fer Lunus.
Viele Tage ging das so, bis das Wetter schlechter wurde und der Himmel Tag und Nacht voller Wolken hing. Es gab jetzt keine Möglichkeit fĂŒr die beiden, sich zu sehen. Das MĂ€dchen wurde von nun an immer trauriger.
Eines Tages ging sie tagsĂŒber nach getaner Arbeit auf die Wiese, um ihren Lunus nahe zu sein. Doch musste sie vor Sehnsucht bitterlich weinen. Da geschah es, das eine gute Fee vor ihr stand und fragte, warum sie so traurig sei. Nachdem das MĂ€dchen  ihr berichtet hatte, warum sie voller Trauer ist, sprach die gute Fee zu ihr:
„Sei nicht betrĂŒbt, mein Kind. Es gibt einen Weg, den Fluch von deinem SchĂ€fer zu nehmen. Du musst das Mondlicht mit einem Netz einfangen und einen Stoff daraus weben. Aus diesem Stoff fertigst du einen SchĂ€fermantel an und bringst ihm deinen Liebesten in jener Nacht, wenn der Mond am höchsten am Himmel steht. Nur eins musst du beachten: sprichst du mit ihm in dieser Zeit ĂŒber dein Vorhaben, so wirst du scheitern. Du darfst ĂŒber alles mit ihm reden, nur nicht, dass du ihn retten möchtest. Geschieht das, so ist er fĂŒr immer verloren.“
Das MĂ€dchen merkte sich die Worte gut, besorgte sich von einem Fischer ein Netz, welches er nicht mehr brauchte und wartete sehnsĂŒchtig auf die nĂ€chste Mondlichtnacht. Die erste verbrachte sie bei ihrem Lunus, aber ihre Gedanken waren schon bei der nĂ€chsten Nacht. Als diese gekommen war, ging sie nicht zum SchĂ€fer auf die Wiese, sondern in eine andere Richtung, um das Mondlicht mit dem Netz einzufangen. Sie breitet es zwischen ihren Armen aus und lief geschwind durch die Nacht. Das Licht des Mondes blieb im Netz hĂ€ngen und so konnte sie es mit nach Hause nehmen. Alsbald begann sie, daraus einen Stoff zu weben. Aber sie vergaß auch den SchĂ€fer nicht: in einer Nacht besuchte sie ihn und in der anderen Nacht arbeitete sie. Und als der Stoff fertig war, begann sie, aus ihm einen SchĂ€fermantel zu nĂ€hen. Zum MondschĂ€fer sprach sie nie ein Wort darĂŒber. Und wenn sie ihn nicht besuchen konnte, sagte sie ihm, dass sehr viel Arbeit auf dem Hof auf sie wartete.
Tag um Tag und Nacht um Nacht vergingen, bis die Arbeit am SchÀfermantel vollendet war. Jedoch musste sie auf die nÀchste Mondlichtnacht warten. Sie legte den Mantel in ein Stofftuch und ging auf die Wiese. Dort angekommen sprach sie zu Lunus:
„Ich habe dich so lieb, dass ich dich auch in bewölkten NĂ€chten und am Tag sehen und bei mir haben möchte.“
„Das wĂŒnsche ich mir auch, aber ich kann nichts gegen mein Schicksal machen“, antwortete Lunus traurig.
„Ich habe einen Weg gefunden, dir zu helfen. Ich begegnete einer guten Fee, die mir sagte, wie der Fluch von dir genommen werden kann. Ich habe das Mondlicht eingefangen, daraus einen Stoff gewebt und aus ihm einen SchĂ€fermantel genĂ€ht. Ich durfte jedoch nicht mit dir darĂŒber reden. Sieh her, die Arbeit ist vollbracht“, sprach das MĂ€dchen und hob den Mantel aus dem Stofftuch.
Das MÀdchen war im NÀhen sehr begabt. Der SchÀfermantel bestand aus dunkelblauem Samt, welcher mit unzÀhligen silbernen FÀden durchzogen war. Zwischen ihnen glitzerten viele kleine silberne Punkte, dass der Mantel aussah, wie der unendliche Sternenhimmel.
Das MĂ€dchen legte den Mantel um den Hals des SchĂ€fers und so war der Fluch fĂŒr alle Zeit von ihm genommen. Von jetzt an lebten beide glĂŒcklich bis an ihr Lebensende.
Großmonra, 27. September 2016


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