[Geburtstagsmonat] Laura Kier – Was wäre wenn …

[Geburtstagsmonat] Laura Kier – Was wäre wenn …

Unzählige Möglichkeiten, wie Sandkörner am Meer

Die
Brandung trug Muschel um Muschel auf den Strand. Inzwischen war der Sand dicht
bedeckt mit den zarten Gebilden. Dennoch führte die Meerjungfrau Mirjam ihr
Flötenspiel fort. Mit geschlossenen Augen ließ sie die Töne in den Wind
gleiten. Durch ihre Magie verwandelten sich die Klänge in Muscheln.
Nach einer Weile löste Mirjam die Flöte von ihrem Mund, worauf ihr Lied in der
Nacht verhallte. Hatte sie es geschafft?
Laura Kier „Die Perlmuttschmetterlinge“ (ISBN 978-1539673033)

Was wäre, wenn
nicht? Würde das Märchen dann beginnen oder enden? Stell dir vor, du wärst eine
Meerjungfrau und wünschst dir nichts sehnlicher, als zu träumen. Was würdest du
tun, um es zu erreichen?

Das Leben einer Muse

Was wäre wenn, du
eine Muse bist und dein Traum ist es, nicht zu inspirieren, sondern selbst
etwas zu erschaffen? Was tust du?

Fillith (aus „Die Muse und der Sorgendieb“, ISBN:
978-1543241495
) hat dazu zahlreiche Ideen. An erster Stelle würde sie ein
Spiel spielen: „Was wäre wenn?“


Was wäre, wenn …
  • … die Autorin, der ich Ideen zuschiebe,
    meine Ideen untergräbt oder noch schlimmer, komplett anderes schreibt, als
    ich ihr empfehle? Dürfte ich die Idee dann selbst nutzen?
  • … ich nicht darauf warte, dass die
    Autorin meinen Plotkaninchen folgt, sondern ich direkt selbst anfange,
    alles aufzuschreiben – könnte ich dann ohne mich an jemanden zu binden,
    überleben?
  • … mein Leben als Muse gar nicht so
    vorherbestimmt ist, wie alle anderen Musen glauben. Wäre ich dann frei,
    mich zu entscheiden, was ich wirklich tun will?

Eine Frage nach
der anderen formt sich in Filliths Kopf und aus den Fragen entstehen erste
Antworten, mit denen sie weiter spielt.

Was wäre, wenn … dann …
  • … ich meine Ideen selbst nutze. Dann
    könnte ich eigene Texte und Bilder erschaffen. Mir läge eine völlig neue
    Welt zu Füßen.
  • … die Bindung an ein anderes Wesen ein
    Irrglauben unter uns Musen ist. Dann bräuchte ich mich nicht von einem
    anderen Wesen abhängig machen und könnte meinen eigenen Weg gehen.
  • … ich wirklich selbst entscheide und
    herausgefunden habe, was ich möchte. Dann würde ich selbst zu einer
    Künstlerin und würde all die Eindrücke einfangen, die mich umgeben.

So wie Fillith
gehe auch ich beim Schreiben vor. Aus einem kleinen Funken wird schnell das
„Was wäre, wenn …“-Spiel, in dem ich Schritt für Schritt weiter gehe. Ich lasse
mich inspirieren, folge den Lichtern, die den Weg vor mir erhellen. Manchmal
drehe ich mich aber in die Dunkelheit, um dort nach völlig anderen
Möglichkeiten Ausschau zu halten.

Es ist nicht
wichtig, woher die Ideen kommen. Aber ich muss sie festhalten. Nur zu schnell
verfliegen sie und dann ärgere ich mich, wenn ich sie nicht wiederfinde.

Angst, den Schritt zu wagen

Ich
weiß von vielen Autoren, die Probleme damit haben, eine Rohfassung zu Papier zu
bringen. Lange Zeit ging es mir ähnlich. Zahlreiche Anfänge und Ideenfunken
lagen in meinen Ordnern. Doch mittlerweile ist ein weißes Blatt kein Grund mehr
für mich, zu verzweifeln. Viel wichtiger ist es die Geschichten zu erleben und
die Charaktere zu wecken, damit sie mir erzählen, was für sie wichtig ist.

Genauso
habe ich endlich meine Ängste vor dem Veröffentlichen überwunden und sechs
Märchen das Leben geschenkt. Wenn ich sie nun ansehe, bin ich nicht nur stolz
auf mich, sondern fühle mich motiviert, meinem Weg weiter zu folgen.

Wie
ist es mit dir? Träumst du von etwas, was du dich nie getraut hast, anzufassen?
Tue es! Versuch es wenigstens. Danach wirst du wissen, ob es dir liegt oder
nicht. Genau wie Mirai. Sie kannte nur die Welt der Gewitter, bis sie einem
Mondfuchs zur Hilfe eilte.

Auch
Jack Frost musste erfahren, dass ein innerer Kampf ganz anders ausgehen kann,
als er zunächst vermutet hätte.

Erschöpft lehnte Jack Frost sich zurück und
schloss die Augen. Sian Morgenröte. Einst war sie eine schöne, starke Frau
gewesen. Eine mächtige Gegnerin. Langsam ließ er die Luft durch seine Nase
ausströmen. Sein Atem rasselte, alle Bewegungen schmerzten. Sein Ende war nah.
Das spürte er deutlich. Selbst wenn ihm weitere Atemzüge zustanden, so fehlte
ihm die Kraft, seine Flocken auf die Erde zu schicken. Mit jedem neuen
Einatmen, versuchte er sich damit abzufinden und seine Niederlage zuzugeben.
Plötzlich klopfte es an der Tür.

Laura
Kier „Kirschen im Winter?“ (ISBN 978-1539673101)

Das
ist es, was ich tue. Ich überwinde meine Ängste, folge meinen Träumen und
spiele mit den Möglichkeiten, die ich habe.

In
meinem nächsten Beitrag lade ich dich dazu ein, mich auf dem Weg ein Stück weit
zu begleiten.

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