[Geburtstagsmonat] Vanessa Hillmann – Warum meine Leser den Tod lieben  

[Geburtstagsmonat] Vanessa Hillmann – Warum meine Leser den Tod lieben  

Wie Ihr Euch aufgrund der Überschrift dieses Beitrags
vielleicht schon denken könnt, geht es hier nicht um den Tod als Synonym für
das Sterben, sondern um den Tod als Charakter in meinem Buch. Und ob ihr es
glaubt oder nicht, aber ich habe noch keinen Mondfeuer-Leser kennengelernt, der
einen anderen Lieblingscharakter hat. Wieso, fragt Ihr Euch? Was macht den Tod
in meinen Büchern denn so liebenswert?

Nun, der Tod ist einfach… anders. Er existiert, seit es das
Leben gibt, und doch versteht er davon weniger als ich von Quantenmechanik.
Denn er existiert nur, aber er lebt nicht. Er hat keinen echten Körper, keine
Gefühle, und Menschen und deren Verhalten und Emotionen sind ihm ein Rätsel.

Nicht dass er sonderlich oft mit Menschen reden würde… Er
ist schließlich der Tod und reden ein rein menschliches Bedürfnis (seine
Worte). Aber wenn er dann mal mit jemandem spricht, kann das für denjenigen
schon sehr anstrengend sein, denn er antwortet meist nur auf direkte Fragen. Es
sei denn, man hat genug Ausdauer…

“Aber Nessie sagte, so etwas wie Traumvisionen gab es
bisher nicht”, fügte Phoebe hinzu. Dann sah sie ihn schweigend an.

Erst nach mehr als einer Minute kam dem Tod der Gedanke, dass
sie sich womöglich eine Antwort von ihm erwartete, obwohl ihre Aussage nicht
als Frage formuliert gewesen war. Dieses Verhalten hatte er bei den Menschen
schon häufig beobachten können, obwohl ihm dieses wie die meisten Aspekte der
menschlichen Kommunikation immer verschlossen geblieben war.

Ihr seht, es ist nicht ganz einfach mit ihm. Auch zwischen den
Zeilen lesen liegt ihm nicht unbedingt. Subtilität ist für ihn ebenso ein
Fremdwort wie Einfühlungsvermögen. Von rhetorischen Fragen und Sarkasmus ganz
zu schweigen.

Aber genau das macht ihn aus. Seine Denkweise und sein Handeln
sind eben gerade nicht normal, und darin liegt eine oft unfreiwillige Komik und
ein trockener Humor, der ihm selbst nicht einmal bewusst ist. So jemanden muss
man doch einfach lieben oder? Auch wenn er einen des Öfteren beinahe
buchstäblich zu Tode erschreckt…

“Phoebe.”

Mit einem erschrockenen Aufschrei fuhr sie zusammen und
schüttete dabei den Kaffee auf die vor ihr ausgebreiteten Landkarten.
“Verdammt noch mal”, schimpfte sie und legte sich eine Hand an ihr
rasendes Herz. “Kannst du nicht an der Tür klingeln wie jeder normale
Mensch?”

“Das wäre äußerst ineffizient, wenn ich auch direkt im
korrekten Raum erscheinen kann. Darüber hinaus bin ich kein Mensch.”

Ob sie es wohl noch schafft, ihm ein bisschen Manieren beizubringen?

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