Interview mit Janna Ruth

Interview mit Janna Ruth

Im Rahmen des Deutschen Phantastik Preis’ durfte ich neben Mira Valentin auch Janna Ruth interviewen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen. 

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Anna: Hallo liebe Janna, du wurdest für den Deutschen Phantastik Preis für deine Kurzgeschichte „Unter der Erde“ in der Anthologie Fiction x Science nominiert. Da ich deine Kurzgeschichte nicht kenne. Um was geht es in deiner Geschichte und was hat dich inspiriert?
Janna:
„Unter der Erde“ spielt etwa hundert Jahre in der Zukunft in Chile. Die Menschheit hat gelernt, die freigesetzte Energie von Erdbeben in Strom umzuwandeln und dabei gleichzeitig die Wirkung von Erdbeben drastisch zu verringern. Meine Heldin Reva ist eine sogenannte Tektotechnikerin, die auf ihrem Lithorider (halb Bohrmaschine/halb Motorrad) in die Erde an die Störungsflächen fährt und dort quasi die Erdbeben anzapft. Nun steht ein Megaerdbeben bevor, das womöglich die ganze Stadt vernichten wird und Reva wird zur Subduktionszone geschickt, tiefer als je ein Mensch vorgedrungen ist. Ein Wettlauf gegen die Zeit in einer experimentellen Maschine beginnt. Das war die erste Geschichte, in der ich mal mein ganzes Geologentum ausleben konnte. Ich habe zu dem Zeitpunkt selbst an meiner Doktorarbeit gearbeitet, die sich um Störungsflächen, Erdbeben und die damit verbundenen Gefahren drehte. Als Geologen sind die meisten Katastrophenfilme immer relativ lächerlich und als der Aufruf zu der Anthologie kam, hatte ich sofort die Idee, einen „richtigen“ Katastrophenfilm zu schreiben. Und das innerhalb von 4000 Wörtern Wer also Lust auf Popcornkino im Kleinformat hat, sollte unbedingt reinschauen.

Anna: Ich persönlich bin kein großer Fan von Anthologien. Wie würdest du mich dazu bringen, die Anthologie doch zu lesen?
Janna:
Schwierig, persönlich glaube ich, dass man entweder Kurzgeschichten mag oder nicht. Was ich an ihnen mag, ist, dass es meistens um eine Idee geht, nicht ein halbes Dutzend und dass man relativ schnell einen Einblick in den Stil verschiedener Autoren bekommt. Quasi eine Leseprobensammlung. Diese Anthologie insbesondere sollte man lesen, wenn man es leid ist, immer nur dystopische Zukunftsvisionen zu lesen. Heutzutage schreibt ja kaum noch jemand Utopien, dabei kann das Träumen doch so schön sein.

Anna: Wie sieht das Auswahlverfahren für Anthologien aus?
Janna:
Meistens gibt es ein Team oder eine Person, die alle Geschichten liest und dann durch verschiedene Systeme sich die besten Geschichten raussucht. Fiction x Science war hingegen etwas ganz Besonderes, denn sie haben sich an dem wissenschaftlichen Peer-Review Prozess orientiert. Jeder einreichende Autor hat sich beim Einreichen dazu verpflichtet drei andere anonymisierte Geschichten zu lesen. Dazu gab es dann einen Bewertungsschlüssel. Das ist natürlich zu einem gewissen Maße subjektiv, aber das ist der andere Prozess auch. Ich fand es auf jeden Fall sehr spannend, so eng selbst an der Auswahl beteiligt zu sein.

Anna: Bisher hast du eher Fantasy- sowie Märchenromane geschrieben. Mit „Unter der Erde“ hast du dich in ein ganz neues Genre, der Dystopie, gewagt. Wie hat es sich für dich angefühlt und kannst du dir vorstellen, in Zukunft weitere Bücher in diesem Genre zu schreiben?
Janna:
Tatsächlich wurde vor kurzem ein Roman von mir vermittelt, der in eine ähnliche Sci-Fi-Richtung geht („Unter der Erde“ ist Utopie nicht Dystopie) und eine weitere Idee habe ich auch. Hin und wieder treibt es mich also mal in die Science Fiction Ecke, aber mein Herz wohnt im Fantasygenre.

Anna: Aktuell schreibst du an der Ashuan-Reihe. Hast du trotzdem schon weitere Pläne und kannst mir einen kleinen Einblick geben, welche Bücher demnächst von dir erscheinen werden?
Janna:
Natürlich geht Ashuan weiter. Da ist gerade die zweite Staffel gestartet und ich habe sieben geplant Dann wird es wohl nächstes Jahr eine etwas kürzere Märchenadaption geben und 2021 meinen Science-Fiction Roman und hoffentlich meine erste englischsprachige Erscheinung im Contemporary Genre.

Anna: Auf Facebook bist du sehr aktiv. Planst und veranstaltest unter anderem Bookflix. Wie kommen dir deine Ideen für neue Veranstaltungen und wie schaffst du alles in deinen Alltag einzuplanen?
Janna:
Das ist so ähnlich wie Romane, plötzlich gibt es eine flüchtige Idee und dann versuche ich sie möglichst effektiv umzusetzen, quasi auch eine Form der Kreativität. Mein Alltag besteht nur aus Schreibarbeit und Kindern, da geht das ganz gut. Ich muss im Grunde nur aufpassen, mich nicht völlig zu übernehmen.

Anna: Gibt es noch etwas, was du gerne erzählen magst?
Janna:
Seid ihr neugierig geworden? Dann verrate ich euch ein kleines Geheimnis. Unter diesem Link könnt ihr die gesamte Geschichte lesen https://mailchi.mp/3951f6bc58ac/dpp-nominierung-unter-der-erde-sondernewsletter 

Anna: Vielen Dank, dass du dir die Zeit für meine Fragen genommen hast. Ich wünsche dir viel Erfolg.

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Die Kurzgeschichte Unter der Erde ist in der Anthologie Fiction x Science: Die Vision einer hoffnungsvollen Zukunft* erschienen.
Fiction x Science: Das ist die Vision einer hoffnungsvollen Zukunft, die durch die Verschmelzung von Mensch und Maschine möglich gemacht wird. Diese Anthologie enthält sechzehn spannende Kurzgeschichten. Nicht nur in den Geschichten geht es um hybride Mensch-Maschinen-Systeme: Wir wendeten ein solches für die Auswahl und das Editieren der Erzählungen innerhalb eines Schreibwettbewerbes an. Entstanden ist mehr als eine Sammlung von Kurzgeschichten: Dieses Buch ist ein Kunstwerk, das erst durch die Digitalisierung in dieser Form möglich geworden ist. Es ist ein Spiegel der Kunstformen der Zukunft. Mit Geschichten von: Dorothe Zürcher, Carmen Capiti, Raidn Neil Reat, Pamela Mertens, Stephanie Lay, Nina Horvath, Anna-Katharina Höpflinger, Janna Ruth, Anja Hänel, Raven Elisabeth Dietzel, Wilfried von Manstein, Jutta Siebert, Apolonia Gottwald, Melody Aimée Reymond, Sophia Sommer und Swantje Oppermann.


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