Themenmonat Jenseits des Mainstreams – Christiane Bößel

Themenmonat Jenseits des Mainstreams – Christiane Bößel

Herzlich Willkommen zum ersten Beitrag des neuen Themenmonats. Diesen Monat dreht sich alles um Autoren, die Bücher abseits des Mainstreams schreiben. Kennt ihr Bücher, die einfach anders sind? Starten wird heute Christiane Bößel für euch, die etwas über ihre Springer-Theorie erzählt. 

___________________________________________________________________

Gastbeitrag Christiane Bößel: Briefe der Protagonisten aus der Springer-Trilogie:

Vincent 03-03-01-01-441532
7. Mondzyklus, 15. Tag, Jahr 12 unter Gesamtminister Brady

Meine liebste Liz,
dies ist mein erster Brief. In meinem ganzen Leben. Ja, ich habe noch nie einen Brief geschrieben. Hier in Dimension 1 tun wir das nicht. Zumindest nicht in den höheren Status, wie meinem. Das einzige, das ich schreibe, ist die tägliche Dokumentation in meinem schwarzen Buch. Das, das du bei mir gefunden hast, als ich im Koma lag und du unbedingt rausfinden wolltest, wer ich bin. Aber das gehört zu meinen Pflichten als Wächteranführer, wie die Wachenkontrollen und das Dienstpläne schreiben. Deswegen entschuldige, wenn ich es vielleicht nicht schaffe, alles, was in mir vorgeht, auch passend zu verschriftlichen. Du weißt, dass ich lieber handle, als rede. Und du weißt, dass ich dich liebe. Auch ohne es dir ständig zu sagen. Trotzdem versuche ich, dieses Ding zu schreiben. Für dich. Weil ich weiß, dass du es brauchst. Für dich tue ich alles. Und vielleicht hilft es mir ja sogar, meine Gedanken zu ordnen, mir noch klarer zu werden, warum ich so verzweifelt eine Lösung finden will, wie ich von Mahajona unbemerkt zu dir springen kann.

Gut, dass ich alleine wohne, denn wie sollte ich jemandem erklären, was ich hier mache? Und warum? Niemand darf von dir – von uns – wissen. Das ist nach wie vor so. Es wäre zu gefährlich. Nicht einmal Alan kann ich ins Vertrauen ziehen. Mahajana spürt es vermutlich. Denn sie weiß alles. Aber sie wird uns nicht verraten. Sie ist gut. Und sie weiß, dass ich sie nicht so einfach verlassen kann. Das Band zwischen Mahajona und mir als Gesegnetem ist zu stark. Und ich brauche sie. Aber noch mehr brauche ich dich, meine Liebste. Trotzdem kann ich nicht einfach zu dir springen. Mahajona würde mich wie beim ersten Mal wieder zurückholen und ich würde für meinen Verrat und die Missachtung des Springverbots in deine Dimension verurteilt werden.

Mahajona ist andererseits die einzige, die mich über die Trennung von dir trösten kann. Täglich verbringe ich mehrere Stunden in ihr. Um mich zu stärken, mich mit ihrer Liebe einzuhüllen. Doch diesmal kann sie mich nicht heilen wie von simplen körperlichen Wunden.

Leider gibt es hier auch keine Post. Und selbst wenn, keine, die Briefe über die Dimensionsgrenzen transportieren kann. Deswegen muss ich mir etwas einfallen lassen, wie ich ihn zu dir schmuggeln kann, ohne dass es jemand mitbekommt. Deine Sicherheit und unser Geheimnis hat oberste Priorität.

Das ist auch ein Grund, warum ich nicht gänzlich darauf verzichten kann, die Privilegiendamen in Anspruch zu nehmen. Als Wächteranführer war ich diesbezüglich immer sehr aktiv, plötzlich auf Null zu reduzieren, wäre zu verdächtig und würde nur Fragen aufwerfen, die ich nicht beantworten will. Aber sie alle bedeuten mir nichts. Du allein bist es, die ich liebe.

Ich habe nie an so etwas wie Liebe geglaubt, habe alle verachtet und für schwach gehalten, die sich verliebt haben. Bis ich dich gefunden habe. Bis ich erfahren durfte, was es bedeutet, mit jemandem zu schlafen, den man wirklich liebt. Sex mit dir ist noch besser als Mahajonas Energie. Doch nicht nur das. DU bist es, die mich stark und lebendig macht. In Körper, Geist und Seele. Siehst du, wie ungeschickt ich im Briefe schreiben bin? Ich fange schon an, kitschig und theatralisch zu werden. Dabei ist es nicht gelogen. Der Sprung-Unfall war das Beste, was mir je passiert ist. Denn ich habe dich getroffen. Das war das Koma, die Schmerzen und die Sehnsucht nach Zuhause, nach meiner Dimension, wert. All das –meine Heimat Dimension 1, mein Amt als Wächteranführer, meinen Status, meine Privilegien, sogar Mahajona und meine Gabe – würde ich aufgeben, um bei dir sein zu können. Weißt du noch, als ich dir eröffnete, ich stamme aus einer anderen Dimension? Ich sei ein Gesegneter und besitze die Gabe des Springens, mit der ich allein durch meine Gedanken und meinen Willen durch die Dimensionen springen kann? Du hast mich minutenlang nur angestarrt und dann hast du gelacht und gelacht und konntest nicht mehr aufhören. Edward hat dich verdutzt angemaunzt und sich unter den Küchenschrank verzogen. Aber ich kann dich verstehen. Vermutlich hätte ich an deiner Stelle genauso reagiert. Deine Welt weiß nicht, dass wir oder überhaupt andere Dimensionen existieren und bisher war das auch gut so.

Ich liebe meine Heimat. Ich liebe meine Gabe. Ich liebe mein Leben. Aber es macht keinen Sinn ohne dich. Ich vermisse dich so sehr. Dein Lachen, deine Brüste, deine Stimme, dein leises Stöhnen, wenn ich tief in dir bin. Deinen Nudelauflauf. Mit dir nackt auf der Couch fernzusehen. Sogar das Chaos und den Lärm und Gestank in deiner Dimension.

Warte auf mich, Liz. Ich werde eine Möglichkeit finden. Und dann werde ich dich nie mehr verlassen.

In ewiger Liebe, dein Vincent

___________________________________________________________________ 

München, 13. August

Liebster Vincent,
ich habe keine Ahnung, wie dich dieser Brief überhaupt erreichen soll, nachdem dein schwarzes Buch ja auch plötzlich verschwunden ist. Hast du den Brief darin gefunden? Vermutlich wurde es wie du von dieser Mahajona-Dings wieder zurückgeholt. Obwohl ich sie nicht kenne, kann ich sie nicht ausstehen. Weil sie dich mir weggenommen hat. Ich weiß, als Gesegneter brauchst du sie und bestimmt ist sie eigentlich auch wirklich so toll, wie du sie beschreibst, mit diesem Energieaufladen und -aussenden und Kraft und warmes Wabern und so. Trotzdem bin ich eifersüchtig auf sie. Weil sie dich jeden Tag sehen und spüren darf. Im Gegensatz zu mir. Ich liege hier in meinem kalten Bett und warte darauf, dass du mir wieder die Füße wärmst. Dir bin ich ganz sicher nicht böse. Du kannst ja nichts dafür, dass du aus einer anderen Dimension kommst. Trotzdem wünschte ich, du wärst hier. Oder zumindest aus der gleichen Dimension. Dann hätte ich wenigstens ein Fitzelchen die Möglichkeit, dich wiederzusehen. So erscheint es mir so hoffnungslos, weil ich nicht einmal ansatzweise verstehen kann, wie das mit diesen Multiversen und Quantenirgendwas und Springen und Gaben funktioniert. Dazu bin ich wohl einfach zu doof. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass du eine Lösung findest. Ich vertraue dir und glaube an dich, dass du es schaffst, uns wieder zusammenzubringen.
Dass Männer und Frauen aus verschiedenen Dimensionen stammen, war mir schon immer klar, schon bevor ich dich kennenlernte. Allerdings war das immer sinnbildlich gemeint. Nicht wortwörtlich. Wenn ich unsere Geschichte in einem Roman gelesen hätte, hätte ich es kopfschüttelnd aus der Hand gelegt, weil es viel zu unrealistisch ist. Aber das Leben ist nun mal nicht realistisch. Das Leben ist seltsam und gemein und fantastisch und schön und alles zusammen. Dass ich mich in dich verliebt habe, ist das Absurdeste und gleichzeitig Wunderbarste, was mir je passiert ist. Erst durch die habe ich erfahren, was Liebe wirklich bedeutet.

Ich will auch gar nicht so viel schreiben, denn das einzige, was ich dir sagen will, ist: Ich liebe dich. Normalerweise bist du derjenige, der wenig spricht und ich die, die manchmal viel zu viel redet, aber heute finde ich keine Worte, die auch nur annähernd passend dafür sind, was ich für dich empfinde. Du bist meine eigene Dimension, du bist mein alles. Mein Zuhause. Meine Welt. Mein Herz. Mein Wächter aus einer anderen Dimension. Mein Springer, der trotz seiner Gabe nicht bei mir sein kann.

Ich warte auf dich.

In Liebe und viele Grüße aus der verbotenen Dimension, Liz

___________________________________________________________________

Liebessprung*
Ein sexy Fantasy-Roman um ein ungewöhnliches Paar, eine geheimnisvolle Gabe und eine im wahrsten Sinne des Wortes überdimensionale Liebe. Band 1 der Trilogie um Liz und Vincent von Christiane Bößel. Das Liebesleben von Krankenschwester Liz ist eine Katastrophe. Zuerst verliebt sie sich in Kollege Dan, der sie zwar unter seinen knackigen Körper, nicht jedoch in sein Herz lässt – und dann in einen Patienten, der dem fiesen Ex aufs Haar gleicht. Dummerweise liegt der Dan-Doppelgänger im Koma. Als er endlich erwacht, ist Liz klar: der oder keiner. Denn diesmal gehört zum tollen Aussehen auch ein toller Charakter. Nach einer unvergesslichen Liebesnacht ist Vincent plötzlich verschwunden. Wo ist er hin? Welches Geheimnis verbirgt er? Erst Wochen später taucht er unerwartet wieder auf und offenbart Unglaubliches. Ist Liz erneut auf einen Lügner hereingefallen oder ist Vincent tatsächlich ein Wächter aus einer anderen Dimension?
»Liebessprung« von Christiane Bößel ist ein eBook von feelings*emotional eBooks. Mehr von uns ausgewählte erotische, romantische, prickelnde, herzbeglückende eBooks findest Du auf unserer Facebook-Seite. Genieße jede Woche eine neue Geschichte – wir freuen uns auf Dich!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.