Themenmonat Protagonist – Danielle „Dan“ Berg aus Die letzte Melderin und Charlotte Shearer aus Zwei Welten

Themenmonat Protagonist – Danielle „Dan“ Berg aus Die letzte Melderin und Charlotte Shearer aus Zwei Welten

Ich bin immer noch überwältig und so langsam werde ich etwas sentimental, dass nur noch drei Protagonisteninterviews veröffentlicht werden. Daher möchte ich heute nicht lange um den heißen Brei reden und euch das Interview von Michael G. Spitzer zeigen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen. 

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Gastbeitrag von Michael G. Spitzer 

Da Anna von „magische Momenten in der kleinen Bücherwelt“ alle Hände voll zu tun hat, bat sie mich, für sie das Interview mit meinen Protagonistinnen Danielle „Dan“ Berg, der letzten Melderin, und Charlotte Shearer, der zehnten Generation zu führen.

Obwohl mir ein wenig mulmig im Bauch ist – immerhin hat mir Charlotte schon mal ein wenig die Meinung gegeigt – komme ich dieser Bitte natürlich nach.

Wir sitzen in einem Café nördlich des Kölner Doms und ich bin stolz, dass beide der Einladung in meine Heimatstadt gefolgt sind.

Ich: „Hi, ihr beiden. Schön dass ihr da seid.“

Dan: „Du bist spät dran!“

Charlotte (beginnt zu schmunzeln): „Spaßig, oder? Bei uns hat er Wert darauf gelegt, dass wir Pünktlichkeit sehr schätzen und er selbst kommt bei unserem ersten gemeinsamen Treffen zu spät.“

Kurz presse ich die Lippen zusammen und schließe die Augen. Das kann ja heiter werden. Hätte ich das doch lieber Anna machen lassen. So von Frau zu Frau zu Frau. Ich denke, dass ich das Gespräch in eine andere Richtung lenken sollte.

Ich (rutsche unruhig auf meinem Stuhl umher): „Entschuldigt bitte, ich wohne hier schon seit längerem nicht mehr und habe den Verkehr unterschätzt. Wie geht es euch?“

Dan (reißt die Augen auf): „Das fragst du doch jetzt nicht ernsthaft, oder?“

Charlotte (legt ihre rechte Hand auf die linke von Dan): „Ganz ruhig. In unserer Zeit ist das eine übliche Floskel, um ein Gespräch in Gang zu bekommen.“

Dan (runzelt die Stirn): „Ah ja. Gut, fang du an. Deine Geschichte kam ja als erste zutage.“

Charlotte (schmunzelt erneut): „Mir geht es soweit gut, obwohl du mich hast einiges durchmachen lassen. Gott sei Dank hast du mir die Gaben gegeben, damit ich mich ein wenig schützen konnte.“

Dan (schaut Charlotte mit großen Augen an): „Du dankst ihm? Du hättest sie nicht gebraucht, wenn er dich dein Leben hätte normal leben lassen.“

Charlotte: „Sicher danke ich Michael. Er hätte mich auch ohne die Fähigkeiten in die Gesellschaft schicken können und ich säße nun nicht hier.“

Dan: „Du spielst auf deinen Ex-Mann an, oder?“

Charlotte (nickt): „Ja, allerdings hätte Michael Gus ruhig weglassen können.“ Sie beginnt zu grinsen. „Doch die Gaben behalte ich gern. Was ist mit dir?“

Ich denke, dass ich die beiden mal machen lasse. So oder so komme ich nicht gut dabei weg. Ein blaues Auge ist mir zwar sicher, doch wenn ich mich jetzt noch einmische, werde ich es sicher noch mehr bereuen.

Dan (atmet lautstark durch): „Rein körperlich geht es mir gut, jedoch versuche ich immer noch, mit allem klar zu kommen, was ich im Laufe der Geschichte erleben musste.“ Ihr Blick gleitet scharf zu mir. „Musstest du mich unbedingt zu einer Kämpferin ausbilden lassen? Ich hätte ein tolles Leben haben können, wenn du mir die Hintergründe meiner Siedlung und die Europas nicht gezeigt hättest.“

Ich atme ein, um etwas zu erwidern, doch ich spüre einen leichten Tritt an meinem Bein. Mein Blick wandert zu Charlotte, die mich mit tiefer Stirn ansieht und fast unmerklich mit dem Kopf schüttelt.

Charlotte (wendet sich wieder Dan zu): „Sieh es mal so: Wenn Michael nicht für deine Ausbildung gesorgt hätte, wäre die Flucht sicher nicht geglückt. Nur durch alle Umstände hast du erfahren, was passieren würde. Womöglich wärst du jetzt nicht hier, sondern … wie nennt ihr das? … gesäubert worden?“

Dan (verdreht die Augen und schnauft durch): „Mag sein. Doch ich hätte nicht ständig in Angst gelebt und es wäre kurz und schmerzlos gewesen.“

Charlotte (hebt die Brauen): „Wäre es das?“ Sie nippt an ihrem Milchkaffee und blickt zu mir. „Was ist mit dir? Was hast du noch mit uns vor?“

Am besten, ich bleibe schwammig. Wenn die beiden jetzt erführen, was ich längst geschrieben habe, würde ich Köln nicht lebend verlassen.

Ich (atme tief ein): „Ich habe euch eure jeweiligen Fähigkeiten nicht umsonst gegeben. Sie werden euch auf eurem weiteren Weg gute Dienste leisten. Allerdings kann ich nichts verraten, denn sonst würdet ihr vielleicht anders handeln, als eure Natur es euch vorgibt.“

Dan (lacht mit sarkastischem Unterton auf): „Unsere Natur? Du meinst wohl unseren starken Willen, den uns regelrecht einprügeln lassen hast.“

Ich sage jetzt lieber nichts. Dan ist schon sauer und auch Charlotte zeigt ansatzweise ihren Sarkasmus, den sie nur zur Schau stellt, wenn sie schlecht drauf ist. Doch Dan hat mir einen Ball zugespielt, der mir gelegen kommt.

Ich (lehne mich zurück und blicke beide jungen Frauen abwechselnd an): „Wo wir schon bei eurem starken Willen sind: Was habt ihr jetzt vor?“

Dan (beugt sich vor und blickt mich aus schmalen Augen heraus an): „Ich gehe wieder vor in das mögliche Europa meiner Zeit. Da warten ein paar Leute auf meine Rückkehr. Ich werde herausfinden, wer hinter alldem Wahnsinn steckt und wenn ich kann, werde ich allem Einhalt gebieten!“

Charlotte (lässt sich seufzend in ihren Stuhl sinken): „Ich weiß es noch nicht. Ich bin zu meinem Element gegangen, um Frieden zu finden. Das habe ich geschafft. Sollte ich mich entscheiden zurückzukehren, werde ich mich auf jeden Fall nicht mehr irgendwelchen Regeln beugen. Lässt man mich nicht in Frieden, werde ich alles tun, um nicht mehr Spielball der Gesellschaften zu sein. Nach jetzigem Stand bin ich bereit, für mein freies Leben alles zu tun. Und ich meine wirklich ALLES!“

Puh, da habe ich Glück gehabt. Die beiden Frauen meines bisherigen literarischen Lebens sind bereit, ihre von mir gestellten Aufgaben zu übernehmen. Ich denke, dass ich das Ganze etwas auflockern sollte.

Ich (blicke beide abwechselnd an): „Wie wär’s? Soll ich euch ein wenig von Köln zeigen?“

Charlotte (beginnt zu strahlen): „Klar, gerne! Ich habe schon einige interessante Gebäude gesehen und hier kann man sicher auch das eine oder andere Geschäft zum Shoppen finden.“

Dan (zieht die Stirn kraus): „Shoppen?“

Charlotte (weiterhin über beide Wangen strahlend): „Ja. Von Geschäft zu Geschäft wandern, in den Läden stöbern, und wenn dir etwas gefällt, kaufst du es.“

Dan: „Also mitnehmen, was gefällt, egal, ob ich es brauche, oder nicht?“

Charlotte: „Ja, so in der Art. Wie das funktioniert zeige ich dir noch.“ Sie holt ihr Portemonnaie aus ihrer Clutch und zeigt Dan den Inhalt. „Du brauchst Geld dafür. Im Tausch dieser Münzen und Papierscheine bekommst du was du möchtest, solange der Gegenwert stimmt.“

Dan (schüttelt den Kopf): „Das ist pure Verschwendung von Ressourcen.“

Charlotte (zwinkert Dan zu und hält eine Hand in ihre Richtung): „Stimmt, aber es macht Spaß. Komm!“

Puh, aus dieser Sache bin ich nochmal glimpflich davongekommen. Nächstes Mal lasse ich das Anna machen, denn nochmal werde ich solches Glück nicht mehr haben.

Ich stehe auf und deute den beiden jungen Damen den Weg zur ersten Straße unseres Bummels. Shoppen mit ihnen ist auch als Mann sicher angenehmer, als sich ihren Fragen und Launen auszusetzen.

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Die letzte Melderin – Die Nachfolge*
Danielle war immer schon anders. In einer Stadt, in der blond und blauäugig das Ideal und auch den Großteil der Bevölkerung stellt, ist sie eine Außenseiterin. Diese geschützte Siedlung, nach mehreren verheerenden Kriegen vielleicht das letzte Refugium der Menschheit, birgt jedoch Gefahren und Geheimnisse. Gregor, ihr Ausbilder und Mitglied des Rates, weist sie immer tiefer in die Abgründe der Gesellschaft ein. Als er Dan in Kontakt mit der Untergrundorganisation “Die geöffneten Hände” bringt, stellt sich ihr Leben komplett auf den Kopf. Im Wissen der Gefahr, die ihr und allen Andersartigen droht, sucht sie nach Möglichkeiten, den Lauf der Dinge zu ändern. Doch auch hier steht sie allein. Nicht einmal ihren Helfern kann Dan rückhaltlos vertrauen.

 

Zwei Welten – Die zehnte Generation*
In einem Verbund von magisch begabten Menschen wird alle zehn Generationen ein Kind geboren, bei dem die Fähigkeiten besonders stark sind. Als die 17-jährige Charlotte Shearer in diese Gesellschaft eingeführt wird, beginnt für sie ein neues, von ungewohntem Wohlstand geprägtes Leben. Doch schon bald muss sie erkennen, dass dieser Luxus ein Opfer von ihr verlangt, welches sie nicht zu bringen bereit ist. Um dieser Forderung entgegentreten zu können, bleibt ihr keine andere Wahl: Charlotte muss ihre Fähigkeiten einsetzen.

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