Themenmonat Protagonist – Sam und Blake McLain aus Blake McLain

Themenmonat Protagonist – Sam und Blake McLain aus Blake McLain

Leider bricht mit dem Interview von Jaden Quinn schon das vorletzte Interview an. Aber das Jahr hat noch 11 Monate und es wird noch viele spannende Themen geben. Nun wünsche ich euch erst einmal viel Spaß mit Sam und Blake McLain. 

___________________________________________________________________

Gastbeitrag von Gabi Büttner

Ich klopfe an die Tür des Caravans, obwohl ich weiß, dass es unüblich ist. Aber ich weiß auch, dass Blake immer eine Waffe bei sich trägt. Versehentlich angeschossen zu werden steht ziemlich weit unten auf meiner Prioritätenliste.

Das undeutliche Gemurmel aus dem Inneren werte ich dennoch als Einladung einzutreten.

Unauffällig sehe ich mich im Inneren um. In der Spüle türmt sich schmutziges Geschirr. Abgesehen davon – und von den gut zwei Dutzend zusammengeknüllter Papierbällchen auf dem Fußboden – ist die Behausung jedoch sauber und ordentlich.

Blake selbst sitzt am Tisch der kleinen Essecke und misshandelt die Tastatur des Laptops, der vor ihm steht. Er schaut kurz auf.

„Nimm dir einen Kaffee und setz dich. Bin gleich fertig“, sagt er.

Also angele ich mir einen Kaffeebecher aus dem Hängeschrank und füllt ihn mit dem Inhalt der Kanne, die auf der Warmhalteplatte steht. Schon der Geruch verrät mir, dass das schwarze Gold mindestens so stark ist wie der Wind des angekündigten Sturms. Kurz frage ich mich, ob Sam und Blake wohl jemals in einem richtigen Haus wohnen werden, anstatt von einem Trailerpark zum anderen zu ziehen.

Nun, vielleicht in einem der Folgebände. Ich grinse, setze mich Blake gegenüber und beobachtet ihn. Er wirkt angespannt. Immer wieder streicht er sich über das kurz geschorene Haar und flucht leise.

„Wo ist Sam“, frage ich, was ihn endlich dazu bringt seinen Blick vom Monitor zu lösen.

„Sag du mir, wo mein Bruder steckt.“

Ich erkenne Misstrauen in seinen Augen, was mich ein wenig verletzt, auch wenn es aus seiner Sicht gerechtfertigt ist.

„Deshalb bin ich nicht hier.“

„Was du nicht sagst.“

„Die Leser wollen dich kennenlernen.“, weiche ich aus. „Stell dich ihnen doch bitte mit deinen eigenen Worten vor.“

„Was könnte ich sagen, was du ihnen nicht schon verraten hast?“

„Darum geht es nicht. Sie wollen von dir selbst hören, wer du bist.“

“Blake McLain geb. 06.09.1984 in Lenexa, Kansas. Eltern: Helen und John McLain. Geschwister: Sam McLain, geb. 20.04.1991“, rasselt er herunter.

Ich kämpfe gegen das Verlangen an, die Augen zu verdrehen. „Geht es auch ausführlicher?“

„Was genau willst du hören? Dass ich eine gute Kindheit hatte? Samt Gutenachtgeschichten, Blaubeerpfannkuchen am Morgen, Picknick und Ausflüge am Wochenende? Die hatte ich. Bis mich ein skrupelloses Arschloch zusammen mit Sam entführt und in ein Labor gesperrt hat, wo man mich als Testperson benutzte! Da war ich acht Jahre alt, Sam zwei. Funktionierte ich nicht, wurde er bestraft.

Sieben Jahre waren wir dort, bis uns die Flucht gelang. Weißt du, was sieben Jahre Angst und Schmerzen aus einem Menschen machen?“

Er scheint sich in Rage geredet zu haben, denn er wartet nicht auf meine Antwort, sondern fährt fort. „Seitdem ich sechszehn bin, besteht meine Aufgabe darin, auf Sam aufzupassen. Was nicht leicht ist, da wir ständig auf der Flucht sind.“

„Vor wem?“, wage ich zu fragen.

Er lacht auf. Nicht ein Funken Humor liegt dabei in seiner Stimme. Dafür wirft er mir einen Blick zu, der die Temperatur im Caravan schlagartig sinken lässt.

„Als ob du das nichts wüsstest.“

„Mit eigenen Worten“, erinnere ich ihn sanft.

„Jack, Dr. Martins Adoptivsohn, ist hinter uns her. Ich denke, er nimmt die Flucht persönlich. Was mir egal sein könnte, würde er nicht die büßen lassen, die uns helfen.

Mit neunzehn musste ich eine Entscheidung treffen. Weg von der Normalität und meinem Job als Bauhelfer, hin zu täglichem Überlebenstraining. Nicht alles dabei ist legal, aber es hilft uns zu überleben und gibt mir das Gefühl mich wehren zu können und Sam in Sicherheit zu wissen.“

„Familie bedeutet dir also viel?“

„Familie bedeutet mir alles! Sie ist der Grund, warum ich niemals aufgebe, nie die Hoffnung verliere. Von meinen Eltern konnte ich mich nie verabschieden – sie starben bei einem Brand in der Nacht, in der Sam und ich entführt wurden – also bleibt mir nur mein Bruder. Er wird eine Zukunft haben, die ihn für alles, was er erleben musste entschädigt. Dafür sorge ich!“

Ich nippe an meinen Kaffee und hätte beinahe das Gesicht verzogen. Er ist stark genug, um einen ein Loch in den Magen zu brennen. Vielleicht hätte ich Blake nicht mit einer derartigen Vorliebe für Koffein ausstatten sollen, aber das ist nun nicht mehr zu ändern. Seine Reaktion, wenn ich plötzlich einen teetrinkenden Vegetarier aus ihm machen würde, will ich mir lieber nicht vorstellen.

„Das klingt, als wärst du dir ziemlich genau über deine Stärken und Schwächen bewusst. Verrätst du sie uns?“, frage ich stattdessen.

Blake lehnt sich ein wenig zurück und fährt sich mit der Hand durchs Gesicht. Ich kenne diese Angewohnheit von ihm, mit der er versucht, seine Beherrschung zurückzugewinnen.

„Ich gebe niemals auf“, antwortet er dann. „Ganz egal, wie aussichtslos etwas scheint. Und ich glaube fest daran, dass am Ende alles gut wird. Das ist vermutlich eine meiner Stärken. Meine Schwäche …“, erneut überlegt er einen Augenblick. „…ich kann nicht aufhören, mir Sorgen zu machen, vermeide es einer Routine zu folgen und gehe nach Möglichkeit nie zweimal hintereinander denselben Weg. Auf Dauer ist das anstrengend, aber ich kann es nicht abstellen.“

Seine Ehrlichkeit erstaunt mich. Normalerweise lässt er sich nicht so leicht in die Karten schauen. Aber gut, ich habe immerhin etwas, was er unbedingt haben will. Für einen Augenblick fühle ich mich schlecht. Im Grunde bin ich nicht anders als Dr. Martin, dabei schreibe ich den Charakter gar nicht. Er gehört meiner Mitautorin Jaden. Innerlich zucke ich mit den Schultern. Sei es drum. Manchmal muss eine Autorin tun, was sie eben tun muss, um für ihr Buch zu werben. Notfalls auch ihre Protagonisten überzeugen mitzuarbeiten.

›Du erpresst ihn.‹

Ich sperre die Stimme meines Gewissens aus. Erpressung ist ein so unschönes Wort …

„Sehen das die Menschen, die dir nahestehen ebenso?“, stelle ich daher die nächste Frage.

Blake wiegt den Kopf. „Jemand den ich sehr schätze, hält mich für ziemlich verantwortungsbewusst. Sie sagte einmal, ich soll immer auf mein Herz hören. Das würde mir schon sagen ob das, was ich tue, richtig ist oder nicht.“ Sein Blick bohrt sich in meinen. „Was sagt dir dein Herz, Autorin?“

Nun ist es an mir, das Gesicht zu verziehen. „Du klingst, als würdest du daran zweifeln, dass ich überhaupt eins habe.“

Sein Lächeln wirkt einstudieren, ist nicht mehr, als ein bewusstes verziehen der Lippen. „Ich kenne jedes deiner Bücher. Sowohl die, die du unter deinem Pseudonym Jaden Quinn geschrieben hast. …“

„Na ja, die handeln ja auch von dir“, werfe ich ein, doch er ignoriert mich. Bannt mich lediglich mit seinem Blick, der mich schlucken lässt.

„Als auch die, die du unter deinem Klarnamen schreibst. In jedem einzelnen leiden deine Charaktere. Wie lebt es sich mit dem Wissen, für so viel Schmerz verantwortlich zu sein?“

„Das bin ich nicht!“, fahre ich auf. „Ihr erzählt mir eure Geschichten. Ich schreibe sie nur auf!“

Er hebt eine Braue. Unwillkürlich frage ich mich, wie es möglich ist, dass eine so winzige Bewegung so viel Zweifel ausdrücken kann.

„Wie dem auch sei“, sagt er schließlich und wischt so meinen Einwand beiseite. „Auf mein Herz hören. … Ich versuche, mich daran zu halten. Allerdings gibt es da noch einen Mann, der glaubt, dass ich nicht bereit wäre, alles zu tun, um endlich in Frieden leben zu können. Er irrt sich, aber den Weg, der ihm vorschwebt, will ich nicht beschreiten. Bei Sam hingegen bin ich mir nicht so sicher. Er scheint in dem Punkt entschlossener zu sein, was mir Sorgen macht. Ich will meinen kleinen Bruder nicht irgendwann im Gefängnis besuchen müssen, nur weil er glaubt, Rache wäre ein Ausweg.“

Der Ausdruck in seinen Augen fleht mich an, ihm das nicht anzutun. Leider kann ich ihm dieses Versprechen nicht geben. Aber ich beschließe, Sam ins Spiel zu bringen, um Blake ein wenig von seiner Anspannung zu nehmen, die er immer zeigt, sobald sein Bruder nicht in seiner Nähe ist.

Einen Augenblick später betritt Sam den Caravan.

Obwohl er der Jüngere ist, ist er etwas größer als sein Bruder. Normale Statur, braune Augen, die Haare sind etwas zu lang, kräuseln sich im Nacken und sind feucht vom Schweiß. Zweiundzwanzig ist er nun, doch der Ausdruck in seinen Augen lässt ihn älter wirken.

Er stockt, als er mich am Tisch sitzen sieht.

Ich lege mein freundlichstes Lächeln auf.

“Hallo Sam“, begrüße ich ihn. „Du warst laufen?“

„Das macht er immer, wenn er angespannt ist“, wirft Blake ein, der zur Seite rutscht, um Sam Platz zu machen.

Ich nicke, als wüsste ich nicht, dass Sams zweiter Vorname – wenn er denn einen hätte – ›Anspannung‹ lauten würde. Und das noch bevor ich und meine Mitautorin Jaden ihn in Band zwei … Nein, ich soll nicht spoilern.

„Schön, dass du hier bist, Sam“, sage ich stattdessen. „Blake wollte unseren Lesern gerade erzählen, wie er mit Kritik umgeht.“

„Wollte ich das?“

Immer wieder erstaunlich, wie es Blake gelingt ein ›fahr zur Hölle, Autorin‹ in seinen Tonfall zu legen.

Ich nicke, behalte mein Lächeln bei. „Deal ist Deal, nicht wahr?“

Blakes Kopfbewegung ist lediglich mit gutem Willen als Zustimmung zu deuten.

Kritik nehme ich meist an“, antwortet er. „Zumindest denke ich darüber nach, ob sie berechtigt ist. Ist sie es, versuche ich etwas zu ändern.

Sam lacht auf. „Du nimmst Kritik an? Seit wann? In all den Jahren, die ich mit dir zusammenlebe, hast du kein einziges Mal eine Kritik als gerechtfertigt angesehen. Sag es doch, wie es ist: Du bist stur wie ein Rodeobulle.“

„Weil jede Kritik, die von dir kommt, keine ist, sondern eine Beschwerde. Kann ich jetzt weiter machen? Oder willst du lieber antworten?“

Sam schüttelt den Kopf und macht eine auffordernde Handbewegung.

Blake wirft ihm einen misstrauischen Blick zu und spricht erst weiter, als er sicher ist, dass Sam die Klappe hält.

„Lob … Es gibt nur eine Person, die mir ab und zu eins ausspricht, doch ich sehe sie viel zu selten. Meist ist mir Lob unangenehm und ich weiß nicht, wie ich darauf reagieren soll.“

Sam hebt eine Braue. „Da ich keine sie bin, ignorierst du es also, wenn ich dich lobe.

„Wann tust du das denn mal?“

„Ich lobe dich ständig. Also hin und wieder … ab und zu … Ach vergiss es.“

Bevor es zu einer berühmt berüchtigten McLain´sche Auseinandersetzung kommen kann, stelle ich die nächste Frage: „Blake, wo wir gerade beim Thema sind, was magst du an deinem Körper und was nicht?

Er runzelt die Stirn. „Wen interessiert das?“

„Dich?“, fragt Sam. „Immer dann, wenn du Stunden im Bad verbringst, um dich für eine Verabredung fertigzumachen.“

„Ich dusche nur.“

„Eine Stunde lang? Und warum finde ich dann immer deine Haare im Abfluss? Ehrlich Mann, das ist ekelig.“

„Rasieren gehört nun einmal dazu.“

„Aber nicht unter der Dusche.“

„Wo rasierst du dir denn deine …“

„Stopp!“ Sam gibt Würgegeräusche von sich. „Ich will es nicht so genau wissen!“

Blake grinst. „Dann frag doch nicht.“

„Die Frage war, was du an deinem Körper magst. Damit war bestimmt nicht dein Haarwuchs gemeint.“

Blake deutet auf mich. „Sie wollte auch wissen, was ich nicht mag. Nun, übermäßiger Haarwuchs an Stellen, die ich aus Rücksicht auf meinen übermäßig zartbesaiteten Bruder nicht nenne.“

Sam verdreht die Augen. „Du kannst manchmal so ein Arsch sein.“

Blakes Grinsen wird breiter. „Das wäre eine Eigenschaft, die DU nicht an mir magst.“

Sam seufzt. „Körper Blake, es geht um den Körper. Willst du die Frage eigentlich beantworten?“

„Merkt man das nicht? Aber gut, damit Ruhe ist: Ich mag meine Augen.

„Nur, weil die Frauen auf dieses Blau stehen.“

„Warum beantwortest du die Fragen nicht, wenn dir meine Antworten nicht gefallen, Sam?“

„Weil das hier deine Show ist.“

„Wo er recht hat …“, schalte ich mich wieder ein und beuge mich ein wenig vor. „Kommen wir zur letzten Frage. Wovor hast du am meisten Angst?“

„Dass Martin und Jack uns finden oder Sam etwas zustößt“, erwidert Blake, ohne zu zögern.

„Das wird nicht passieren“, schaltet sich Sam sofort ein. „Du warst ein guter Lehrer.“

Blake schnaubt. „Anscheinend nicht, da du so überzeugt bist, unantastbar zu sein.“

„Das bin ich doch gar nicht. Aber ich weiß, wie ich meine Spuren verwischen muss, um unentdeckt zu bleiben. Dafür hast du gesorgt, erinnerst du dich?“

„Ich bin ja nicht senil.“

Nun ist es an Sam, zu grinsen. „Aber knapp dreißig, da wird man schon mal vergesslich.“

„Vergesslich, huh?“ Blake stürzt sich auf seinen Bruder und setzt seine Geheimwaffe ein. „Denk nicht, ich würde je vergessen, wie kitzelig du bist.“

Die Brüder zusammen Lachen zu sehen tut gut. Zudem kenne ich die Antwort auf die Frage sowieso schon. Blake und Angst? Verdammt ja, mehr als er je laut zugeben würde. Dazu hat er auch allen Grund.

Warum verrate ich nicht. Er wird es merken und die Leser können es in Band 1 der McLain-Reihe: ›Blake McLain – Flucht‹ und in Band 2: ›Sam McLain – Verrat‹ nachlesen. Doch bis es so weit ist, verschwinde ich und gönne den Brüdern den Moment der Unbeschwertheit. Sie haben ihn bitternötig …

___________________________________________________________________

Blake McLain*
Ein illegales Labor, ein skrupelloser Geschäftsmann und zwei Brüder auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit.
Owen Martin ist einer der erfolgreichsten Pharmaziehersteller der USA. Dass sein Erfolg auf illegalen Versuchen an Minderjährigen beruht, wissen nur wenige. Blake McLain jedoch kennt das Geheimnis des skrupellosen Geschäftsmannes, denn er und sein kleiner Bruder waren sieben Jahre lang in einem seiner Labore gefangen. Als es Blake durch einen glücklichen Zufall gelingt, sich und Sam zu befreien, beginnt eine unerbittliche Verfolgungsjagd quer durch die Staaten. Verfolgt von einem Mann, der darauf trainiert wurde zu töten, bietet kein Ort Zuflucht, scheint keine Telefonverbindung geschützt und kein Mensch ist in ihrer Nähe sicher. Was als Hoffnungsschimmer auf ein freies Leben beginnt, wird bald zu einer Gefahr für das Einzige, worauf Blake und Sam sich immer verlassen konnten: Ihre bedingungslose Loyalität zueinander.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.